Leitfaden zur Auswahl von Trockengasdichtungsbarrierengasen

Die Zuverlässigkeit Ihrer Anlagen hängt von einer Entscheidung ab, deren Tragweite Ihnen vielleicht gar nicht bewusst ist: Welches Sperrgas soll Ihrer Trockengasdichtung zugeführt werden? Das klingt technisch, aber im Grunde geht es darum, zwei kostspielige Probleme zu vermeiden – Prozessverunreinigungen und Lageröllecks.

Stopfbuchse

Was ist ein Sperrgas in Trockengasdichtungen?

Sperrgas ist ein unter Druck stehendes Gas – typischerweise Stickstoff oder saubere Luft –, das man gezielt in den/die/das einleitet. Dichtungskammer mit einem höheren Druck als Ihr Prozessmedium. Stellen Sie sich das wie eine Schutzschicht vor, die zwischen Ihrem Prozessmedium und den Dichtflächen liegt und verhindert, dass Verunreinigungen zurück in die Anlage gelangen und dort Schäden verursachen.

Die grundlegende Funktionsweise ist folgende: Ihre Trockengasdichtung hat zwei Hauptaufgaben. Erstens muss sie das Austreten von Prozessflüssigkeit verhindern. Zweitens muss sie das Eindringen von Lageröl verhindern. Beides ist unerlässlich. Gelangt Prozessflüssigkeit auf die präzisionsgeschliffenen Dichtflächen, droht ein Totalausfall. Dringt Lageröl in die Dichtungskammer ein, reißt der Gasfilm, der die Dichtflächen trennt, und es kommt zu direktem Kontakt und schnellem Verschleiß.

Sperrgas löst beide Probleme gleichzeitig. Das unter Druck stehende Gas bildet eine physikalische Barriere, die sowohl das Prozessmedium von oben als auch das Lageröl von unten abweist. Es ist, als ob ein Wachmann zwischen zwei Türen steht und den Zutritt durch beide verweigert. Ohne ausreichendes Sperrgas arbeitet Ihre Dichtung ungeschützt und ohne jegliche Kontrolle. Mit Sperrgas hingegen verfügen Sie über einen zuverlässigen Schutz gegen die beiden größten Gefahren für die Funktionsfähigkeit Ihrer Dichtung.

Stickstoff oder Luft: Was sollten Sie wählen?

Stickstoff und Reinluft sind die beiden gebräuchlichsten Sperrgasoptionen. Beide funktionieren physikalisch, sind aber nicht für alle Anwendungen gleichermaßen geeignet, und Ihre Wahl bestimmt Ihr gesamtes Sperrgassystem.

Stickstoff als Barrieregas

Stickstoff ist inert, das heißt, er reagiert mit nichts. Er verbindet sich nicht mit Prozesschemikalien und verursacht keine Korrosion. DichtungsmaterialienEs bildet keine explosiven Gemische mit anderen Gasen in Ihrem System. Deshalb ist Stickstoff der Industriestandard. Die meisten Anlagen, die Zugang zu Stickstoff haben, verwenden ihn ohne Zögern.

Stickstoff birgt keinerlei Explosionsgefahr. Dies ist besonders wichtig bei Anwendungen, in denen brennbare oder giftige Prozessflüssigkeiten verwendet werden. Ihre Entlüftungsleitung kann Stickstoff sicher in die Atmosphäre oder eine Fackelanlage ableiten, ohne Brandmelder auszulösen oder Sicherheitsbedenken hervorzurufen.

Bei der Stickstofferzeugung vor Ort mittels PSA- oder Membrantechnologie erreichen Sie eine Reinheit von 95–99.5 %. Dies ist ausreichend für Dichtungsanforderungen und gewährleistet eine zuverlässige und kontrollierte Versorgung. Die meisten abgelegenen Standorte und Großverbraucher erzeugen ihren Stickstoff selbst, da dies wirtschaftlicher ist als der Transport per LKW.

Luft als Sperrgas

Saubere Luft ist verlockend, weil sie kostenlos ist, wenn man einen Kompressor vor Ort hat. Man könnte denken: „Warum Stickstoff bezahlen, wenn ich doch Druckluft habe?“ Die Antwort lautet: Sicherheit und Vorschriften.

Luft kann in bestimmten Konzentrationen in Verbindung mit bestimmten Gasen und Kohlenwasserstoffen explosiv werden. Enthält Ihr Prozessmedium Kohlenwasserstoffe oder ist Ihre Entlüftungsleitung an eine Fackelanlage angeschlossen, kann die Verwendung von Luft als Sperrgas ein explosives Gemisch erzeugen. Aufgrund dieses Risikos schränken die API-Normen die Verwendung von Luft in bestimmten Anwendungen ausdrücklich ein.

Luft enthält außerdem Feuchtigkeit und Partikel, die in reinen Stickstoffsystemen möglicherweise nicht vorhanden sind. Um Luft sicher verwenden zu können, wären intensivere Trocknungs- und Filterverfahren erforderlich, was die Kosten und den Wartungsaufwand erhöht.

Entscheidungsmatrix: Stickstoff vs. Luft

Stickstoff verwenden, wenn:

  • Ihr Prozess beinhaltet brennbare oder giftige Flüssigkeiten.
  • Ihre Entlüftungsleitung ist an eine Fackel oder ein geschlossenes System angeschlossen.
  • Sie benötigen maximale Sicherheitsmarge bei null Risiko.
  • Sie befinden sich in einem Gefahrenbereich (Klasse I, Klasse II).
  • Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften ist nicht verhandelbar

Luft nur dann berücksichtigen, wenn:

  • Ihr Verfahren ist nicht entflammbar und ungiftig.
  • Sie verfügen über zuverlässige, hochwertige Druckluft vor Ort.
  • Ihre Entlüftungsleitung entlüftet sicher in die Atmosphäre
  • Ihre Ausrüstung befindet sich nicht in einem Gefahrenbereich
  • Sie haben sich bei Ihrem Gerätehersteller vergewissert, dass die Luftqualität akzeptabel ist.

Ganz ehrlich? Die meisten Pflanzen düngen standardmäßig mit Stickstoff und belassen es dabei. Das beseitigt Unklarheiten und Sicherheitsbedenken. Der Kostenunterschied ist im Vergleich zur gewonnenen Zuverlässigkeit meist gering.

Auswahlkriterien für Barrieregase: Was ist zu beachten?

Die Wahl des richtigen Sperrgases ist nicht nur eine Frage von Stickstoff oder Luft. Sie müssen verschiedene Faktoren berücksichtigen, die die Anforderungen an Ihr System bestimmen.

Prozesskompatibilität

Stellen Sie sich zunächst folgende Frage: Um welche Prozessflüssigkeit handelt es sich? Ist sie sauber oder verschmutzt? Ist sie feucht oder trocken? Ist sie korrosiv oder giftig?

Bei Prozessen mit hohem Verschmutzungsgrad – beispielsweise beim Pumpen von Rohöl mit Sand- und Wasseranteil – kann eine externe Barrieregasversorgung sinnvoll sein. So bleibt das Barrieregas auch bei einem Ausfall der Hauptdichtung und dem Eindringen von Prozessflüssigkeit in die Dichtungskammer sauber und gewährleistet die Notabdichtung bis zur Wartungsabschaltung. Diese Art der Barrieregasversorgung wird als „externe“ Barrieregasversorgung bezeichnet und ist in den API-Plan-74-Konfigurationen genau für diesen Anwendungsfall vorgesehen.

Bei sauberen und stabilen Prozessen kann der Auslassdruck des Kompressors oder der Pumpe als Sperrgasquelle genutzt werden. Dadurch entfallen die Kosten für eine separate Stickstoffversorgung. Allerdings muss das Auslassgas gefiltert und getrocknet werden, um die Qualitätsstandards für Sperrgase zu erfüllen.

Druckanforderungen

Der Druck ist für Ihre Dichtung lebenswichtig. Ist er zu niedrig eingestellt, kann Prozessflüssigkeit oder Lageröl die Dichtung beschädigen. Ist er zu hoch, kann die Dichtungspatrone selbst beschädigt werden.

Der Barrieregasdruck muss stets über dem maximalen Prozessdruck liegen. Die minimale Differenz beträgt 0.2 MPa (3 psi), bei kritischen Anlagen oder Gefahrstoffen jedoch 1.7 barg (25 psig). Diese größere Sicherheitsreserve bietet Ihnen Spielraum für unerwartete Druckspitzen im Prozess.

Folgendes läuft üblicherweise schief: Wartungsteams stellen den Druckregler einmalig bei der Inbetriebnahme ein und kümmern sich danach nicht mehr darum. Dadurch verstellt sich der Regler oder verschmutzt, der Druck sinkt langsam unter die Spezifikation, und eines Tages ist die Dichtung verunreinigt. Führen Sie daher regelmäßige Kontrollen durch. Überprüfen Sie das Manometer wöchentlich und führen Sie eine jährliche Druckprüfung des Reglers durch.

Durchflussratenbedarf

Die Barrieregasdurchflussrate ist die tatsächlich durch das System strömende Gasmenge, gemessen in Kubikfuß pro Minute (CFM) oder Normkubikmetern pro Stunde (Nm³/h). Sie ist nicht mit dem Druck zu verwechseln.

Für die Funktion der Trenndichtung (der Barriere zwischen Lageröl und Dichtungskammer) ist ein Mindestdurchfluss erforderlich. Bei zu geringem Durchfluss dringt Lageröl trotz der Barriere in die Dichtungskammer ein. Zu hoher Durchfluss verschwendet Energie und erhöht die Betriebskosten. Die meisten Gerätehersteller geben den erforderlichen Durchflussbereich im Datenblatt der Dichtung an.

Bei der Inbetriebnahme einer neuen Anlage wenden Sie sich bitte an Ihren Dichtungslieferanten und erfragen Sie den genauen Durchflussbedarf. Bei der Nachrüstung oder Fehlersuche an einer bestehenden Anlage prüfen Sie bitte die ursprüngliche Installationsdokumentation. Das Schätzen des Durchflusses führt unweigerlich zu vorzeitigem Verschleiß. Dichtungsausfälle.

Verfügbarkeit der Bezugsquellen

Können Sie Stickstoff an Ihrem Standort beziehen? Wie weit ist der nächste Lieferant entfernt? Wie hoch ist Ihr Verbrauch?

Für einen kleinen Betrieb, der nur gelegentlich Sperrgas benötigt, ist der Kauf von Stickstoff in Flaschen bei einem lokalen Gashändler sinnvoll. Für eine große Anlage mit kontinuierlich laufenden Prozessanlagen amortisiert sich ein Stickstoffgenerator vor Ort allein durch die Kosteneinsparungen innerhalb von ein bis drei Jahren. Generatoren eliminieren zudem das Lieferkettenrisiko – Sie haben immer Stickstoff zur Verfügung, da Sie nicht auf LKW-Lieferungen angewiesen sind.

Die geografische Lage ist entscheidend. Abgelegene Standorte fernab von Gasversorgern rechtfertigen fast immer die Eigenerzeugung. In städtischen Industriegebieten mit etablierter Gasverteilung kann die Lieferung von Gasflaschen günstiger sein. Berechnen Sie beide Optionen und vergleichen Sie die Gesamtbetriebskosten über 5–10 Jahre.

Umwelt- und Sicherheitsfaktoren

Prüfen Sie die Klassifizierung Ihrer Ausrüstung. Befinden Sie sich in einem explosionsgefährdeten Bereich (z. B. Klasse I, Division 1), muss Ihr Sperrgassystem bestimmten Normen entsprechen. Luft als Sperrgas ist unter Umständen nicht zulässig. Stickstoff ist dann nicht nur vorzuziehen, sondern zwingend erforderlich.

Die Entlüftungsleitung ist ebenfalls ausschlaggebend. Wohin wird das Sperrgas nach dem Durchtritt durch die Dichtung entlüftet? Führt es zu einer Fackelanlage oder einem geschlossenen Rückgewinnungssystem, muss Stickstoff verwendet werden. Wird es an Ihrer Laderampe sicher in die Atmosphäre entlüftet, könnte Luft ausreichen. Stickstoff beseitigt jedoch jegliche Unklarheit.

Fazit

Die Wahl des Sperrgases ist eine jener Entscheidungen, die zunächst unwichtig erscheinen, bis etwas schiefgeht und sich dann plötzlich als das Wichtigste herausstellt, dem man zuvor keine Beachtung geschenkt hat. Stickstoff ist für nahezu jede industrielle Anwendung die richtige Wahl – sicherer, zuverlässiger und durch die Vor-Ort-Erzeugung zunehmend kostengünstiger.

Ihre Hauptaufgabe ist die ordnungsgemäße Aufrechterhaltung der Sperrgasfunktion. Überprüfen Sie den Druck wöchentlich. Halten Sie die Filterung gemäß den Spezifikationen. Entleeren Sie Ihre Ölabscheider. Tauschen Sie die Filterpatronen planmäßig aus. Diese einfachen Maßnahmen verhindern 90 % aller Sperrgasausfälle und verlängern die Lebensdauer Ihrer Sperrgasfunktion. Leben versiegeln bis zur vollen 15-jährigen Nutzungsdauer.

Die geringe Investition in die Planung und Instandhaltung von Barrieregasanlagen zahlt sich durch höhere Anlagenzuverlässigkeit, niedrigere Gesamtbetriebskosten, reduzierte Emissionen und weniger Notfallreparaturen, die die Produktion unterbrechen, aus. Das ist nicht nur gute Instandhaltung – es ist wirtschaftlich sinnvoll.